Futuromundo (FUMU25) fand dieses Jahr zum allerersten Mal statt – und ich durfte dabei sein. Ein neues Format, das sich mutig zwischen Zukunftslabor, Denkraum und Begegnungsort positioniert. Menschen aus ganz unterschiedlichen Bereichen – Wirtschaft, Bildung, Kunst, Wissenschaft – kamen zusammen, um gemeinsam über die Zukunft von Organisationen, Lernen und Zusammenarbeiten nachzudenken.

Was dabei herauskam? Viele spannende Impulse, überraschende Perspektiven und vor allem: ein Gefühl von Aufbruch. In diesem Beitrag teile ich meine persönlichen Eindrücke und Antworten auf zentrale Fragen rund um FUMU25. Was waren die roten Fäden in den Vorträgen? Welche Ideen zu neuen Geschäftsmodellen und Organisationsformen wurden diskutiert? Wie wichtig sind Kreativität und Kultur im Innovationsprozess – und was können wir konkret daraus für unsere Lernkultur und Weiterbildung mitnehmen?

Ein Rückblick auf ein Format, das definitiv Lust auf mehr macht.

🧩 Was waren Gemeinsamkeiten der Vorträge?

  • Neugier als strategische Ressource
    Zahlreiche Beiträge betonten Neugier nicht nur als Kindheitseigenschaft, sondern als zukunftsentscheidende Fähigkeit. Sie wurde als Quelle von Kreativität, Anpassungsfähigkeit und echtem Lernen dargestellt – etwa bei Ehrenmüller oder Meinecke-Meurer.
  • Die Notwendigkeit systemischer Transformation
    Statt inkrementeller Verbesserungen ging es oft um tiefgreifende, systemische Veränderungen: neue Organisationsmodelle, veränderte Führungsstile, Co-Creation mit KI. Mehrere Vorträge (RenDanHeYi, HMx, Urban Farming) zeigten, dass Zukunftsfähigkeit mit struktureller Offenheit beginnt.
  • Technologie + Humanismus
    Ob KI, Avatare oder Generative AI – immer wurde deutlich gemacht: Technik ist Mittel, nicht Ziel. Der Mensch bleibt zentral – mit Emotionalität, Ethik und Vorstellungskraft.
  • Experimente & Fehlerkultur als Innovationsmotor
    Viele Sprecher forderten aktiv „Safe Spaces“ für Scheitern – etwa im „Future Positive Panel“ oder bei Dirk Ploss mit dem Zitat:
    „Please: Be stupid. Stupid might fail. But smart doesn’t even try.“
    Beispiel:
    In deinem Kontext könnte z. B. ein interner Sandbox-Space zur Erprobung neuer UI-Konzepte für Drittapplikationen entstehen – kombiniert mit Feedbackzyklen durch KI-Avatare.

📢 Was sind Schlüsselbotschaften?

  • „No Passengers, All Crew“ – jeder ist Innovationsträger
    Digital Prophet Shingy forderte ein radikales Umdenken in Organisationen: Innovation ist nicht die Aufgabe der F&E, sondern des gesamten Kollektivs.
  • Kompetenzen > Wissen
    Wir bewegen uns von einer wissensbasierten zu einer kompetenzbasierten Wirtschaft. Schlüsselkompetenzen: kritisches Denken, emotionale Intelligenz, Adaptivität, Kreativität.
  • Plattformisierung und Selbstorganisation statt Hierarchie
    Beispiel: RenDanHeYi setzt auf Micro-Enterprises mit Kundennähe statt auf klassische Abteilungen. So entsteht Schnelligkeit und Nutzerzentrierung.
  • Ohne Vielfalt keine Zukunft
    Interkulturelle Kompetenz und unterschiedliche Perspektiven sind kein „HR-Thema“, sondern Grundlage für Innovationsfähigkeit.

💡 Welche neuen Geschäftsmodelle oder Organisationsformen wurden diskutiert?

  • RenDanHeYi (Haier-Modell) 
    Dezentral, kundenzentriert, unternehmerisch: Mitarbeiter:innen werden zu Entrepreneur:innen, Micro-Enterprises agieren wie Startups mit P&L-Verantwortung.
  • DEDA – Digitally Enhanced Direct Autonomy
    Autonomie durch digitale Plattformen – zielt auf echte Selbstorganisation über Technologie und Schnittstellen.
  • HMx – Human + Machine exponential
    Hybrid-Organisationen, in denen Mensch und KI gemeinsam mit Sofort-Feedback und geteiltem Kontext arbeiten.
  • Low-Altitude Economy
    Nutzung des städtischen Luftraums für Logistik und Services mit Drohnen, eVTOLs etc. – gedacht als neues Mobilitäts- und Geschäftsmodell.

🎨 Welche Rolle spielen Kreativität und Kultur im Innovationsprozess?

  • Kreativität als systemische Fähigkeit
    Design wird nicht mehr nur als Oberflächenästhetik verstanden, sondern als Gestaltung gesellschaftlicher Systeme (vgl. Speculative Design, Transition Design…).
  • Kultur als Resonanzraum für Innovation
    Dr. Christa Uehlinger betonte: Kultur ist nicht das „Drumherum“, sondern prägt unsere Denkmuster und Entscheidungslogiken. Kulturelle Vielfalt ist Katalysator für kreative Lösungen.
  • Kinderlogik als Design-Inspiration
    Kinder betrachten Räume (und Systeme!) spielerisch, lösungsorientiert und grenzenfrei – ein wertvoller Perspektivwechsel.
    Beispiel: Ein Cross-Team-Workshop mit „Was würde ein Kind fragen?“-Perspektive zu Zugriffsrechten oder User Journeys in Drittapplikationen könnte überraschende Lücken oder Vereinfachungspotenziale aufdecken.

🧠 Welche Konzepte zur Förderung von Kreativität und Problemlösungskompetenz wurden vermittelt?

  • Design Futures Toolkit
    Ressourcen zur Zukunftsgestaltung durch Designer – über Ästhetik hinaus: Systemdenken, Szenarien, Narrative.
  • Logical Fallacy Tools
    Formate zur Schulung von kritischem Denken und Reflexion über Biases und logische Fehler.
  • Avatare als Sparringspartner
    Einsatz von KI-Avataren zur schnellen Simulation von User Feedback, z. B. für Sprachvarianten, Tonalität oder Service-Reaktion.
  • Story-based Szenarien & Deep Reflection
    Zukunftsdenken durch mentale Experimente und Bewusstseinsarbeit à la Anders Indset: nicht nur Daten, sondern auch Philosophie.
    Beispiel: Nutze ein „Prompt Lab“, in dem Produktteams experimentieren: „Was antwortet ChatGPT auf diese Problemstellung? Und was sagt unser Avatar ‘Elena’, wenn sie die Kundin wäre?“

📚 Welche Impulse lassen sich auf betriebliche Weiterbildung oder Lernkultur übertragen?

  • Von „Trainings“ zu Lernökosystemen
    Lernen wird situativ, kollaborativ und projektbezogen – jenseits von „Seminar-Katalogen“.
  • Kompetenzaufbau über Selbstwirksamkeit
    Fehlerfreundlichkeit, Co-Creation und Rollenrotation fördern implizites Lernen – z. B. durch Learning Sprints.
  • Lernen durch Neugier statt durch Vorgabe
    Mehrere Beiträge zeigten, wie Neugier gezielt aktiviert und zur Lernmotivation genutzt werden kann.
  • Beispiel: Entwickle intern ein „Innovation Bootcamp“ für neue Mitarbeitende, in dem nicht nur Produkte erklärt werden, sondern direkt im „Experimentiermodus“ gelernt wird – z. B. mit realen Produkt-Cases.

🖼️ Welche Denkanstösse geben die künstlerisch-kreativen Beiträge für unsere Arbeit?

  • Kunst als Spiegel der Organisation
    Ob „The Quantum Economy“ oder Transition Design – kreative Formate helfen, Unsichtbares sichtbar zu machen: blinde Flecken, Paradigmen, Narrative.
  • „Be stupid!“ – Kreativität durch Erlaubnis
    Dirk Ploss plädierte für bewusste Naivität als Innovationsstrategie: Wer alles weiß, sieht oft nichts Neues.
  • Imagination ≠ Spielerei, sondern strategisches Werkzeug
    Die Vorträge zeigten, dass Vorstellungskraft zentral für Strategiearbeit ist – etwa bei Anders Indsets „Enkelfähigkeit“ oder AI-Zukunftsreisen mit Yuan.
  • Beispiel: Warum nicht mal ein „Kunstwerk der Woche“ als Metapher für ein Technologie-Thema im Team reflektieren? Oder: „Wenn unsere neue Security-Architektur ein Gemälde wäre – welches?“

Flavio

Master in Business Innovation. B.Sc. Business Engineering|Innovation. Blogger. Traveller. Head Technology Strategy & Innovation Portfolio. #ginvibes. Knight of Taste. Sports enthusiast. Foodie. Creative Kid. #iger. The guy behind inspiique.

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