Innovation ist globaler, interaktiver und offener geworden. Bei Open Innovation geht es darum die Unternehmensgrenzen im Innovationsprozess zu öffnen, um externe Potenziale wie Wissen, Kompetenzen und Fähigkeiten zur Generierung von Wertschöpfung zu nutzen (Gassmann & Granig, 2013, S. 114–115). Abb. 13 zeigt eine Gegenüberstellung zwischen geschlossener und offener Innovation. Offene Innovation (Open Innovation) ist ein Paradigma, das davon ausgeht, dass Unternehmen sowohl externe und interne Ideen sowie interne und externe Wege zum Markt nutzen können und sollten, um das eigene Unternehmen voranzutreiben. Projekte können sowohl intern als auch extern gestartet werden. Neue Technologie kann in verschiedenen Phasen der Forschung und Entwicklung einfliessen. Durch die Offenheit gibt es viele Möglichkeiten, Ideen in den Prozess und auf den Markt zu bringen. Open Innovation kombiniert interne und externe Ideen zu neuen Produkten, neuen Architekturen und neuen Systemen. Produkte können beispielsweise durch Lizenzierung, eines Spin-offs oder über die eigenen Marketing- und Vertriebskanäle auf den Markt kommen, um zusätzlichen Wert zu generieren (Chesbrough, 2011, S. 69–70).

Abb. 13: Geschlossene (links) vs. offene Innovation (rechts), in Anlehnung an (Chesbrough, 2011, S. 69–70; Gassmann & Enkel, 2005, S. 8) , Darstellung gemäss De Roni, F. (2020).

In der Literatur werden folgende Arten von Open Innovation unterschieden (Burkhardt u. a., 2018, S. 351; Chesbrough, 2011, S. 83–85; Gassmann & Enkel, 2005, S. 8):

  • Outside-In: Ausserhalb des eigenen Unternehmens gibt es viele intelligente und fähige Personen. Die Wissens-/Ideengenerierung geschieht ausserhalb des Unternehmens und werden z.B. durch Lizenzgebühren im Unternehmen für Innovation genutzt. Beispiele: Kunden-/Lieferantenintegration, Externes Technologie-Sourcing
  • Inside-Out: Manchmal wird ein Kernprozess eines Unternehmens noch effizienter und effektiver (economies of scale nutzen), wenn er auch anderen Unternehmen angeboten wird. Beispiele: Lizenzierung von geistigem Eigentum, Multiplikation von Technologien, Cross-Industry Innovation, Gründung eines Start-Ups
  • Kooperativ (Coupled): Ideen werden gemeinsam entwickelt. Beispiele: Strategische Allianzen (wie Zusammenarbeit zwischen Hersteller und Lieferant), Joint Ventures, Innovationsnetzwerke

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Open Innovation in einem Unternehmen einzusetzen:

  • Ideenwettbewerbe
  • Cross-Industry Innovation
  • Lead-User-Modell
  • Open Innovation Communities (Innovationsnetzwerke)
  • Crowdsourcing über bekannte Plattformen wie Atizo/InnoCentive oder eigene firmenspezifische Plattformen
  • Co-Creation
  • Hochschulkooperationen
  • Technologie-Scouting
  • Externe Technologiekommerzialisierung
  • Die Liste ist nicht abschliessend.

(Chesbrough, 2011, S. 69–70; Gassmann & Enkel, 2005, S. 8; Gassmann & Granig, 2013, S. 114–118)

Open Innovation
Einsatzgebiet• Um das Innovationspotential des eigenen Unternehmens zu erhöhen
• Um die Kunden besser kennenzulernen durch Erfahrungen, Beobachtungen und Nutzungsdaten
• Um das Geschäftsmodell mit Dienstleistungen zu ergänzen/wandeln
• Outside-In: In wissensintensiven Industrien
• Kooperativ: Bei komplementären Produkten mit Schnittstellen
Vorteile• Kunden als Mitentwickler (führt zu einer Anhäufung von Wissen)
• Mehr Wert und Wachstum aus den eigenen Kernkompetenzen ziehen
• Inside-Out: Ideen durch Lizenzierung schneller auf den Markt bringen
• Outside-in: Frühe Integration von Lieferanten
• Economies of Scale: Die Technologie wird günstiger, je mehr diese genutzt wird
Nachteile• Kleine Netzwerke sind einfacher zu managen als grosse
• Offenlegung der eigenen Strategie, auch gegenüber dem Wettbewerber
• Bei Crowdsourcing kann niedrige Entlöhnung der Ideengeber bei sehr erfolgreichen Produkten zu Reputationsschäden führen
Voraussetzungen / Vorbedingungen• Suche nach externen Partnern in der Wertschöpfungskette (oder im Ökosystem), um aus dem Nischenmarkt ausbrechen zu können.
• Zusammenarbeit über Unternehmensgrenzen hinweg
• Klärung der Rechtslage
• Hinreichende Konkretisierung des Problems notwendig
• Crowdsourcing: Die Crowd muss motiviert werden und die richtigen Adressaten müssen gefunden werden
• Offenheit des Unternehmens gegenüber Input von aussen («Not-Invented-Here-Syndrom»)
Tab. 10: Überblick Open Innovation

Quellen: (Chesbrough, 2011, S. ix, 86-87,143-144, 151–152, 155–156; Gassmann & Enkel, 2005; Gassmann & Granig, 2013, S. 116–118)

Quellen

Hinweis: Dieser Artikel dient Ausbildungs- und Inspirationszwecken (This article serves educational and inspirational purpose). Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus der Masterthesis “Innovation Y & Z: Ein auf Generation Y und Z ausgerichteter Innovationsprozess für Softwarehersteller” von Flavio De Roni, welche 2020 an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) eingereicht worden ist. Die Teilung des Inhalts erfolgt mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors. Die Management Summary und gesamte Arbeit findet sich unter folgendem Link auf flavioderoni.ch.

  • Burkhardt, N., Ernst, A., Rings, J., Rings, S., Schobloch, A., Spicker, M., … Ziegler, D. M. (2018). Das grosse Handbuch Innovation: 555 Methoden und Instrumente für mehr Kreativität und Innovation im Unternehmen. (B. van Aerssen & C. Buchholz, Hrsg.). München: Vahlen.
  • Chesbrough, H. (2011). Open Services Innovation. San Francisco: Jossey-Bass.
  • Gassmann, O., & Enkel, E. (2005). Open Innovation Forschung. Abgerufen von https://www.alexandria.unisg.ch/17076/1/Open Innovation Forschung.pdf
  • Gassmann, O., & Granig, P. (2013). Innovationsmanagement: 12 Erfolgsstrategien für KMU. München: HANSER.

in

  • De Roni, F. (2020). Innovation Y & Z: Ein auf Generation Y und Z ausgerichteter Innovationsprozess für Softwarehersteller. HWZ.

Bildquelle: Photo by Richard Balog on Unsplash


Flavio

Master in Business Innovation. B.Sc. Business Engineering|Innovation. Blogger. Traveller. Product Owner. #ginvibes. Knight of Taste. Sports enthusiast. Foodie. Creative Kid. #iger. The guy behind inspiique.

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