Sowohl Generation Y als auch Generation Z schätzen Kreativität, Zusammenarbeit und möchten Freiraum, um eigene Ideen zu verwirklichen (Burkhart, 2016; gfs.bern, 2018; Maas, 2019; Shell, 2019). Nach Maas (Maas, 2019) stellt Verbindlichkeit jedoch eine Herausforderung dar. Deshalb scheinen insbesondere Vertreter der Generation Z Mühe mit Terminzusagen zu haben; sie könnten ja etwas verpassen. Diese Angst etwas zu verpassen nennt sich «Fear of missing out» (Maas, 2019; Shell, 2019). Generation Y und Z ist Zusammenarbeit, Vernetzung und den Arbeitsalltag zu teilen wichtig. Dabei sind digitale und fluide Vernetzungsmöglichkeiten attraktiver als feste, institutionalisierte Strukturen. Situative Projekte, Gruppen ohne Strukturen und Arbeitstätigkeit in Eigenverantwortung sind interessanter als Parteien, Vereine oder Unternehmen (gfs.bern, 2018, S. 40). Weiter wird Aktives Netzwerken und die richtigen Leute zu kennen als wichtig erachtet, um im Beruf voranzukommen. Der Generation Z scheinen zudem Bereiche wichtig zu sein, wo eine Beeinflussbarkeit möglich ist. Ebenfalls wichtig scheinen ein flexibles Arbeitsumfeld mit Teilzeit, Homeoffice und Gleitzeiten, stehen gemäss Credit Suisse Jugendbarometer 2018 (gfs.bern, 2018, S. 23) jedoch klar nicht an erster Stelle. Jedoch scheint das Smartphone bei der heutigen Jugend an Bedeutung zu gewinnen (gfs.bern, 2018). Ein zusammenfassender Vergleich der Generationen Y und Z und ebenfalls der Generation X zeigt Tab. 15 auf.
| Merkmale | Generation X | Generation Y | Generation Z |
| Jahrgänge | ≥ 1965 und < 1980 | ≥ 1980 und < 1995 | ≥ 1995 und < 2010 |
| Merkmale | streben nach hohem Lebensstandard, Eltern beide berufstätig, haben Arbeitslosigkeit bei sich oder in näherem Umfeld erlebt | Halbwertszeit von Wissen, Sharing Economy (nutzen statt besitzen), Multioptionalität, ständig Angst eine falsche Entscheidung getroffen zu haben, materieller Überfluss, kontinuierliches Anpassen an neue Bedingungen, streben nach kollektiver Zusammenarbeit | Aufregendes Leben führen, FOMO (Fear of missing out), streben nach hohem Lebensstandard, Verantwortung als Team, Fantasie/Kreativität, Instant: Bedürfnisse sofort befriedigen, visuell geprägt, Inhalte filtern und beurteilen, Orientierung am Lebensstil der Eltern, Ungewissheit: Alles ändert sich unfassbar schnell, Eltern sind eher Berater/Coach statt Erziehungsberechtigte Bereiche, wo ein Gefühl der Beeinflussbarkeit/ Übersichtlichkeit vermittelt wird, sind extrem wichtig |
| Werte | Individualismus, Pragmatismus, Leistungsorientierung, Produktivität, Gegenleistung, Autonomie | Kritisch hinterfragen, feedback-süchtig, Sinnsuche, freiheits-liebend, Vernetzung, Selbstverwirklichung | Fähigkeiten entfalten, gut ausgebildet, Lebensgenuss, Unabhängigkeit, ungeduldig, selbstbewusst, leistungsorientiert, stärkere Achtsamkeit |
| Im Arbeitsleben | Bekleidet einen Grossteil der Management-Positionen | Flexibles Arbeiten & Home Office, Sabbatical, mehr Zusammenarbeit statt Abteilungsdenken | Wollen mit “Besties” arbeiten und Arbeitsalltag „sharen“, lassen sich nicht alles bieten, empfindlich, schnell vertreiben, Aktives Netzwerken, die richtigen Leute kennen |
| Anforderungen an den Job | Work-Life-Balance: Genügend Freizeit neben dem Beruf | Work-Life-Blending: Verschmelzung, wobei beides im Gleichgewicht sein soll / Mehr Zusammenarbeit als Abteilungsdenke / Arbeit muss Spass machen | Work-Life-Separation: Arbeit nicht nach Hause nehmen Arbeitsklima / Arbeitgeber bietet Dinge, die sich Z’ler wünschen |
| Führungskraft | Grossteil der Management-Positionen durch X’ler bekleidet | Wollen einen guten Chef haben, auf Augenhöhe | Wollen einen guten Chef haben, Führungsposition kommt von alleine ohne grosse Anstrengung |
| Arbeitszeit | Work-Life-Balance | Weniger Arbeiten, um eigene Ideen zu verwirklichen | Klare Arbeitszeiten |
| Digitalität | PC, E-Mail, Mobiltelefon / Kindheit und Jugend durch Medienrevolution geprägt: Videorekorder, Walkman | Digital Natives: Aufgewachsen mit Internet und Smartphone / Internet, TV, Social Media, Plattformen wie Youtube oder Linkedin, Digitales Lernen (MOOC) | Social Media Natives: Handy, Wi-Fi und Akku als neues Grundbedürfnis / „Echtzeit-Generation“ / Smartphone ist überlebenswichtig/ Addictive Design: Instant Feedback, Likes à Dopamin / Whatsapp, Instagram, Tiktok |
Quelle: Eigene Darstellung in Anlehnung an (Burkhart, 2016; gfs.bern, 2018; Lussi, Gassmann, & Huber, 2019b; Maas, 2019; Mangelsdorf, 2015; Oertel, 2014; Shell, 2019)
Die 2019 im Band 2 veröffentlichte Young Adult Survey Switzerland (Lussi, Gassmann, & Huber, 2019a, S. 109–110) zeigte bei den Werten sprachregionale und geschlechterspezifische Unterschiede auf. Innerhalb der Sprachregionen sind die Werte stabil geblieben. Die sprachregionale Unterscheidung ist ein kulturelles Unterscheidungsmerkmal. Bei Kultur handelt es sich um ein Konstrukt, das sich immer auf Menschen bezieht. Jeder Mensch in dieser Gruppe teilt die gleichen Normen und Werte (Uehlinger, 2017, S. 23).
Bei der ausgewählten Literatur wurden empirische Untersuchungen durchgeführt, jedoch mehrheitlich nur mittels deskriptiver Statistik ausgewiesen. In den Resultaten fehlt die statistische Signifikanz. Weil auch die Aussagen nicht mehrfacht validiert wurden in der Literatur, schwingt hier auch ein gewisser Grad an Behauptungen mit. Schröder (2018, S. 473-475,490-491) kritisiert die Methodik der Generationenforschung. Befragungen wie die Shell Jugendstudie verfolgen Einstellungsveränderungen aufeinander folgender Jugendkohorten. Nach Kontrolle von Periodeneffekten verschwinden diese wieder: Einstellungsveränderungen heben sich kaum von der Gesamtgesellschaft ab. So kann auch das jeweilige Lebensalter gewisse Einstellungsunterschiede erklären. Bisher wurde lediglich vermutet, dass weithin genutzte Generationsetiketten etwas mit realen Einstellungsunterschieden zu tun haben, konnte jedoch empirisch nicht nachgewiesen werden.
Quellen
Hinweis: Dieser Artikel dient Ausbildungs- und Inspirationszwecken (This article serves educational and inspirational purpose). Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus der Masterthesis “Innovation Y & Z: Ein auf Generation Y und Z ausgerichteter Innovationsprozess für Softwarehersteller” von Flavio De Roni, welche 2020 an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich (HWZ) eingereicht worden ist. Die Teilung des Inhalts erfolgt mit ausdrücklicher Zustimmung des Autors. Die Management Summary und gesamte Arbeit findet sich unter folgendem Link auf flavioderoni.ch.
- Burkhart, S. (2016). Die spinnen, die Jungen!: Eine Gebrauchsanweisung für die Generation Y (3. Aufl.). Offenbach: Gabal.
- gfs.bern. (2018). Generation Digital: Solidarität trotz Unsicherheit und Herausforderungen durch Wandel. Generation Digital. https://doi.org/10.7551/mitpress/3222.001.0001
- Lussi, I., Gassmann, Y., & Huber, S. G. (2019a). Sprachregionale und geschlechterspezifische Unterschiede in den Werten. In S. G. Huber (Hrsg.), Young Adult Survey Switzerland, Band 2 (S. 106–111). Bern: BBL / OFCL / UFCL.
- Lussi, I., Gassmann, Y., & Huber, S. G. (2019b). Stabilität und Veränderung in den Werten junger Erwachsener in der Schweiz. In S. G. Huber (Hrsg.), Young Adult Survey Switzerland, Band 2 (S. 100–105). Bern: BBL / OFCL / UFCL.
- Maas, R. (2019). Generation Z für Personaler und Führungskräfte. München: HANSER.
- Mangelsdorf, M. (2015). Von Babyboomer bis Generation Z: Der richtige Umgang mit unterschiedlichen Generationen im Unternehmen. Gabal.
- Oertel, J. (2014). Baby-Boomer und Generation X – Charakteristika der etablierten Arbeitnehmer-Generationen. In M. Klaffke (Hrsg.), Generationen-Management: Konzepte, Instrumente, Good-Practice-Ansätze (S. 27–56). Wiesbaden: Springer Gabler.
- Schröder, M. (2018). Der Generationenmythos. Kolner Zeitschrift fur Soziologie und Sozialpsychologie, 70(3), 469–494. https://doi.org/10.1007/s11577-018-0570-6
- Shell. (2019). Shell Jugendstudie 2019. Abgerufen von https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie/_jcr_content/par/toptasks.stream/1570708341213/4a002dff58a7a9540cb9e83ee0a37a0ed8a0fd55/shell-youth-study-summary-2019-de.pdf
- Uehlinger, C. (2017). Miteinander verschieden sein (2. Aufl.). Zürich: Versus.
in
- De Roni, F. (2020). Innovation Y & Z: Ein auf Generation Y und Z ausgerichteter Innovationsprozess für Softwarehersteller. HWZ.
Featured Image: by Flavio x Dall-E (Human & AI)
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